■ 30.5 ■ Visuelles Labor unter Spannung
Einführung ins Projekt
■ 30.5 ■ ist ein strukturiertes, unter Spannung stehendes Kunstsystem.
Ein strenger Rahmen:
• Quadratisches Format: 30,5 cm
• Reduzierte Farbpalette zur Verstärkung der visuellen Einheit
In diesem begrenzten Raum erkunden die Künstler:innen die Grenzbereiche von Form und Geste.
Jedes Werk entsteht aus dem Spannungsverhältnis zwischen formaler Strenge und freier Bewegung.
Konzept
Das Format gibt den Impuls. Das Werk entsteht aus der Abweichung.
Kein Thema. Keine Erzählung. Keine Erklärung. Nur der visuelle Akt – direkt, konzentriert, reduziert.
Jede Arbeit zeigt eine innere Dynamik: gespannte Flächen, gebrochene Linien, instabile Richtungen.
Die Begrenzung wirkt als Katalysator: Jede Energie ist komponiert, kontrolliert, nie zufällig.
Flirrende Linien, prekäre Gleichgewichte, absorbiertes Licht – hier wird Rohheit in visuelle Grammatik übersetzt.
■ 30.5 ■ steht im Dialog mit Op Art, radikalem Minimalismus und Process Art, mit einer direkten Haltung:
optischen Rhythmus erzeugen, die Dichte eines visuellen Impulses einfangen.
Besuchserlebnis
■ 30.5 ■ erzeugt eine räumliche Dynamik.
Das konstante Format gliedert den Raum: enge Hängungen, kontrollierte Abstände, gezielte Durchbrüche.
Die Werke sind in variablen Intervallen gehängt:
• linear – für kontinuierlichen Rhythmus
• verdichtet – für optische Spannung
• mit Abständen von 5 bis 50 cm – zur Modulation der Wahrnehmung
Jede Anordnung spannt den Raum auf. Der Blick beschleunigt, verlangsamt, zögert.
Zeit dehnt sich mit jedem Schritt, gehalten von der stillen Dichte der Werke.
Aus der Ferne: statische Flächen, gedämpftes Licht.
Aus der Nähe: vibrierende Materialien, Gesten am Rand des Überlaufens.
Jeder Schritt verändert den Raum. Jeder Blick spannt eine neue Linie in die Architektur.
Das Konzept passt sich sowohl neutralen White-Cube-Räumen als auch reduzierten Industrieorten an.

Methode ■ 30.5 ■
■ 30.5 ■ ist ein plastisches Protokoll visueller Kompression.
Alle Künstler:innen arbeiten nach denselben Regeln:
einheitliches Format 30,5 × 30,5 cm, reduzierte Farbskala.
Die Werke entstehen überwiegend auf Papier oder kaschierter Pappe, mit Pigmentstiften, Acryl oder Graphit – Materialien, die den Gestus unmittelbar erfassen, ohne Korrektur oder Überlagerung.
Zeichnen. Abdriften. Einschlagen. Anhalten.
■ 30.5 ■ kommentiert nicht. Es handelt.
Künstler:innen



Roderick Hendrick
Mathematisch-strenge Kompositionen, bei denen visueller Code und harmonische Struktur verschmelzen.
Osbern d’Orvaux
Verwandelt digitale Logik in kreative Impulse – zwischen algorithmischer Präzision und spontaner Entladung.
Gérard Delafosse
Schichtet Farbe wie mattes Glas und organisiert Licht in tiefen Räumen neu.
Lubacha
Sucht die unmittelbare Genauigkeit der Linie: ein Strich, ein Atem, ein schwebender Moment.
Josef Haring
Reduzierte Abstraktionen, in denen jede Fläche zur Balancezone zwischen Präsenz und Leere wird.
Julien Madouas
Löst normannische Landschaften auf und überführt sie in eine fließende, kontrastreiche Shanshui-Ästhetik.
Franky Turbo
Zeichnet wie andere zuschlagen: roh, direkt, alltägliche Fragmente ohne Dekor.
Zing Sou
Verwebt zersplitterte Bild-Erzählungen, in denen alte Symbole auf zeitgenössische Spannungen treffen.
Jeffrey Lubow
Lässt die Geste die Form führen – in instabilen Karten aus Spuren, Löschungen, Spannungen.
Akiren Mazuki
Fixiert das Flüchtige in gespannten Kompositionen, wo Atem, Stille und Linie einander tragen..
Werke
Jede Serie von ■ 30.5 ■ hält einen Moment komprimierter Spannung fest:
ein eingefrorener Einschlag, eine visuelle Erschütterung, durchkreuztes Licht.
Anzahl und Hängung variieren je nach Ort und Künstler:innenzahl – von 20 bis 200 Arbeiten.
Warum 30.5 ?
■ 30.5 ■: Vinylformat. Geste reduziert. Wirkung maximal.
Ein einziges Format, minimale Mittel, kontrollierte visuelle Dichte.
Keine vorgegebene Lesart – sehen, empfinden, durchqueren.
Jede Serie tastet. Jedes Werk trifft.

