Gérard Delafosse

Mit ■ 30.5 ■ führt Gérard Delafosse eine langjährige Recherche weiter: eine stille, konstruierte Malerei, in der das Licht nicht mehr durchdringt, sondern sich Schicht für Schicht reflektiert.
Glas war lange das Zentrum seiner Arbeit – doch auch das Papier ist ihm nicht fremd.
Hier aber sind es das Format, das Protokoll und die reduzierte Farbskala, die seine Überlegungen lenken.
In diesem Gespräch spricht er über seinen Werdegang, seine Materialien und über die Aufmerksamkeit, die er niemals verliert: für die Struktur, die Zurückhaltung, und für das, was sich nie dem Einfachen beugt.

⚫⚫⚫

Woher kommst du – geografisch, kulturell, künstlerisch?
Geboren in Vincennes am 25. November 1952.
Meine ersten Worte hätten sein können: „Ich möchte lieber nicht.“

Weißt du noch, was dich zur Kunst geführt hat? Ein plötzlicher Impuls oder ein langsames Hineingleiten?
Als Kind empfänglich für Malerei, Poesie, Literatur, Musik, für alles Kreative.
Ich wollte nicht Künstler werden. Aber da mich die Arbeitswelt kaum interessierte, habe ich 1976 beschlossen, Bilder zu machen.

Du hast lange mit Glas gearbeitet. Was hat dich an diesem Material fasziniert?
Mit Glas zu arbeiten – auf Glas, durch Glas – ermöglichte mir, mich von traditionellen Techniken zu lösen und dem Bild eine andere Dimension zu geben.

Hast du eine Ausbildung gemacht oder kam alles aus der Praxis?
Wichtig ist die Praxis.

Warum der Titel Zwischen den Tropfen?
Alle meine Werke haben Titel, sie sollen mit den Arbeiten spielen.
Zwischen den Tropfen – genau da muss man durch.

Behandelst du jede Arbeit als Ganzes, oder eher als Variation innerhalb eines Systems?
Alles ist ein Ganzes. Wie das Universum.

Wie bist du mit dem vorgegebenen Format 30,5 × 30,5 cm umgegangen?
Man muss es nehmen wie die Regel eines Spiels.

Was treibt dich heute noch an, weiterzuarbeiten?
Ich weiß nicht, ob es Kunst ist – der Begriff ist ohnehin stark überstrapaziert.
Ich arbeite, um herauszufinden, was ich mache. Es ist eine Notwendigkeit, die aus der Neugier kommt.

Entre les goutes

Mit Zwischen den Tropfen baut Gérard Delafosse Licht durch Schichtung und Entfernung auf.
Seine deckende Malerei ersetzt das Glas, bewahrt jedoch Präzision und innere Vibration.

Gab es Künstler:innen, die dich anfangs geprägt haben? Und wen verfolgst du bis heute?
Mich interessiert alles, was schöpferisch ist – von der Psychoanalyse bis zur Bildenden Kunst, Musik, Literatur.

Glaubst du, Kunst kann heute noch überraschen?
Kunst kann nur überraschen.

In deiner Arbeit scheint die Ablehnung des Gestischen und Konzeptuellen zentral zu sein. Wie würdest du diese Haltung beschreiben?
Das ist keine Entscheidung.

Gibt es unter deinen Werken eines, das du als grundlegend oder exemplarisch bezeichnen würdest?
Es gibt Werke, die ich bevorzuge, mit denen ich gerne lebe.
Aber alle gehören zu meinem Weg und haben ihre Berechtigung – etwa tausend Bilder und Objekte, über zehntausend Arbeiten auf Papier.

Gibt es Künstler:innen, die du für übersehen oder unterschätzt hältst?
Jede:r soll selbst entdecken, was für ihn zählt.

Zum Schluss
Am 1. Februar 1985 schrieb ich:
„Sich beklagen heißt immer noch glauben, dass jemand zuhört. Man meint oft, sich das Schlimmste vorzustellen – aber das reicht nicht. Der Vorteil, wenn man die Augen schließt, ist zu wissen, dass sie geschlossen sind.“

Und Herr Kappus konnte zu Beginn des Jahrhunderts in einem Brief von R. M. Rilke lesen:
„… Kunstwerke sind von unendlicher Einsamkeit; nichts ist für ihren Zugang schlimmer als Kritik. Nur die Liebe kann sie erfassen, bewahren, ihnen gerecht werden.“

Entre les goutes