Lubacha

In diesem Gespräch spricht Lubacha über das, was ihre Arbeit leitet: die Bedeutung der Geste, die Präzision der Linie, den Raum des Leeren.
Sie spricht ohne Pathos, mit der gleichen Zurückhaltung wie in ihren Zeichnungen. Hinter der scheinbaren Einfachheit liegt eine präzise Aufmerksamkeit für das, was zwischen den Formen zirkuliert – zwischen Körpern, zwischen Momenten.

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Erinnerst du dich, wann die Linie für dich zentral wurde? Was hat dich zur Reduktion geführt?
Das kam ganz natürlich. Ich war immer vom Wesentlichen angezogen, von dem, was ohne Umweg spricht. Wenn eine Linie stimmt, reicht sie.


Du sprichst oft von Gesten. Wann ist eine Geste für dich zeichnenswert?
Wenn sie eine bestimmte Energie trägt. Etwas Echtes, auch wenn es flüchtig ist. Sie muss Spannung in sich tragen – als würde sie über den Moment hinaus andauern.

Arbeitest du nach direkter Beobachtung?
Ich gehe meist von inneren Eindrücken aus. Sehr schnellen Bildern, wie Lichtblitzen, die ich versuche, auf dem Papier wiederzufinden.

Woran merkst du, dass eine Arbeit fertig ist?
Es ist wie ein kleiner innerer Stillstand. Ein Moment von Ruhe. Alles Weitere würde das Gleichgewicht stören.

Deine Figuren blicken nie. Sie werden angeschaut. Ist das Absicht?
Ja. Ich möchte nur, dass sie erscheinen.

Minimal

Körper in Aktion, zurückgehaltene Gesten, gespannte Stille: Minimal verbannt alles Überflüssige.
Lubacha sucht die Intensität im Wenigen, den Atem kurz bevor er vergeht.

Deine Figuren wirken dynamisch, sind aber in einem präzisen Moment eingefroren. Hältst du die Zeit an – oder machst du sie spürbar?
Ich versuche, das festzuhalten, was kurz vor oder nach der Bewegung liegt. Eine Schwelle. Genau dieser Moment berührt mich.

Was ist für dich der Unterschied zwischen einem Körper und einer Bewegung?
Der Körper ist Form, Bewegung ist Absicht. Das eine bleibt, das andere geht hindurch. Zerbrechlicher – aber präsenter, lebendiger.

Du arbeitest mit sehr reduzierten Mitteln. Ist das Instinkt, Ästhetik oder Haltung?
Vor allem Ästhetik. Ich mag die Reduktion, die Stille um die Linie.
Leere erzeugt eine stille Spannung, eine gespannte Erwartung. Sie schafft Raum – zum Atmen, zum Kreisen – ohne etwas zu diktieren.

Gibt es eine Zeichnung, die dir entglitten ist und die du trotzdem behalten hast?
Ja, ein Junge beim Scratchen. Die Geste war zu schnell, zu zersplittert. Ich habe sie aufgegeben.
Sie gehörte zum Rhythmus, nicht zum Bild.

Deine Figuren haben oft kein Gesicht, keinen Kontext. Vermeidest du die Erzählung – oder überlässt du sie dem Publikum?
Ich vermeide sie. Wenn ich anfange zu erzählen, verliere ich das Bild.

Gab es Künstler:innen – aus der Zeichnung, der Malerei oder anderswo – die dich in deiner Suche nach der Geste geprägt haben?
Ja, viele. Das Kabuki-Theater – wegen seiner gezügelten Kraft.
Und Philippe Decouflé – für seine Art, Körper leicht wirken zu lassen, fast wie gezeichnet.

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